Das neue Umspannwerk Gera-Süd wird an der Ecke Zwötzener Straße/Ruckdeschelstraße vor dem bestehenden Umspannwerk der EGG errichtet. Dieser Backsteinbau am Elsterufer bleibt zunächst auch erhalten. Der Neubau erhält eine mit Solarmodulen fast futuristisch gestaltete Fassade und auch auf dem Dach werden Solarzellen zur emissionslosen Erzeugung von Strom installiert. Mit einer Leistung von 44 KWp (Kilowatt peak - Anmerkg: Maßeinheit für Photovoltaik-Strom) wird diese zweite Photovoltaikanlage der EGG die zweitgrößte im Stadtgebiet von Gera sein.
Das Bauvorhaben Umspannwerk Gera-Süd gliedert sich in zwei Bauabschnitte. Zunächst wird in dem Neubau ein Schalthaus errichtet, in dem der (noch) mit 30-kV-Netzspannung ankommende Strom auf eine Spannung von 10 kV „herunter transformiert" wird. Dieser Bauabschnitt soll im Frühjahr kommenden Jahres abgeschlossen sein. Die EGG investiert in diesen ersten Abschnitt rund fünf Millionen Euro - und das ganz ohne Fördermittel. Verläuft alles planmäßig, soll sich daran gleich der zweite Bauabschnitt anschließen: Das Umspannwerk wird um Groß-Transformatoren ergänzt, um die 110-kV-Hochspannung direkt in die benötigte Spannung von 10 kV (10.000 Volt) umwandeln zu können. Anschließend werden die bereits am anderen Elsterufer vorhandenen Erdkabel des 110-kV-Netzes an das Umspannwerk herangeführt und die 30-kV-Ebene könnte endgültig vom Netz gehen. Bis Ende 2010 könnte auch dieser Abschnitt abgeschlossen sein.
Von der Öffentlichkeit und ihren Kunden weitgehend unbemerkt, arbeitet die EGG bereits seit 1999 an der Anpassung der Mittelspannung im örtlichen Stromverteilungsnetz auf 10 kV bzw. 20 kV (10.000/20.000 Volt). Mit dem Bau des Kraftwerks in Gera-Nord 1996 kam die in Gera übliche Spannung von 30 kV erstmals auf den Prüfstand: Denn der produzierte Strom verlässt das Kraftwerk mit einer Spannung von 110 kV und auch die überregionalen Hochspannungsleitungen nutzen diese Spannungsebene. Musste der Strom von der Produktion bis zur Steckdose bisher dreimal umgespannt werden (siehe Hintergrund), soll dies künftig nur noch zweimal nötig sein: Dies senkt die Netzverluste und die Betriebskosten. Waren bisher zehn 30-kV-Umspannanlagen nötig, werden künftig drei 110-kV-Umspannwerke die Stromversorgung der Stadt sicherstellen. Diese moderne Infrastruktur erhöht die Versorgungssicherheit für die Kunden, senkt aber auch die Unterhaltungskosten: Denn da immer mehr Regionen ihre 30-kV-Netze bereits umgestellt haben, sind Ersatzteile rar und damit teuer und mit langen Lieferzeiten verbunden.
Das Umspannwerk Gera-Süd ist die letzte Etappe zum Aufbau dieser zukunftsfähigen Infrastruktur. Die EGG hat seit 1999 umfangreiche Kabeltrassen für das 110-kV-Netz verlegt und bereits zwei neue Umspannwerke errichtet und angeschlossen: In Gera-Nord (1995 bis 2007) und in Gera-Mitte (1996 bis 2005). Auf einem Teilabschnitt des Netzes zwischen Nord und Mitte konnte so bereits 2008 die 30-kV-Ebene abgeschaltet werden. Seit 2007 laufen die Planungen für das dritte und letzte Umspannwerk im Süden der Stadt. Lange wurde nach einem geeigneten Standort für die Anlage gesucht, unter Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung und des noch geplanten Rückbaus von Wohnraum im Stadtteil Lusan, fiel die Wahl schließlich auf Zwötzen. Bis zum Abschluss der Netzumstellung Ende 2010 wird die EGG in dieses Projekt insgesamt 38 Millionen Euro investiert haben - und das alles ohne Fördermittel! Neben dem Bau der drei Umspannwerke werden im Zeitraum der Umstellung durch die EGG insgesamt 13 Kilometer 110 kV-Kabel und rund 90 Kilometer Mittelspannungskabel verlegt sein.