Komfort und Klimaschutz verbindet die Fernwärme der Energieversorgung Gera GmbH (EGG). Im Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk Gera-Nord quasi als "Abfallprodukt" der Stromproduktion mittels der sonst ungenutzten Abwärme erzeugt, sorgt die EGG-Fernwärme in weiten Teilen Geras für wohlige Behaglichkeit - und das ganz ohne Kohlenschleppen, ohne Öltank oder Gasanschluss. Rund 1400 Fernwärmekunden zählt die EGG, darunter zahlreiche Großvermieter mit hunderten Wohnungen. Doch auch für den Häuslebauer oder kleinere Privatvermieter in Mehrfamilienhäusern ist das Heizen mit der EGG-Fernwärme eine preiswerte Alternative.
Die Idee, Wohnräume per Fernwärme zu beheizen, stammt bereits aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Damals sollten so viele Feuerstätten wie möglich aus den Stadtzentren verbannt werden, um das Brandrisiko zu mindern. Außerdem galt es schon damals als lohnendes Ziel, die Luftverschmutzung durch die Kohleverfeuerung zu verringern und das Müll-Aufkommen an Asche zu senken. Aufwind erhielt diese Idee mit der Stromproduktion in immer größeren Kraftwerken, die mittels Kraft-Wärme-Kopplung günstig Fernwärme-Dampf produzieren können. Gerade in der DDR-Zeit erlebte die Fernwärme einen Aufschwung: Zum einen waren Ressourcen knapp und mussten geschont werden. Zum anderen konnten die neu entstandenen Plattenbau-Wohngebiete von Beginn an mit Fernwärmeleitungen erschlossen werden; außerdem sorgte die dichte Besiedlung etwa von Lusan oder Bieblach für eine effektive Nutzung dieser Infrastruktur. Als Relikt aus der Planwirtschaft sollte die fernwärme aber keinesfalls abgetan werden: Inzwischen setzen in den alten Bundesländern immer mehr Kommunen auf diese umweltfreundliche Heizung. Als Musterbeispiel gilt Flensburg, wo 90 Prozent der Bevölkerung an die Fernwärme angeschlossen sind.
Gleich zwei Vorteile zieht die EGG aus der Produktion von Fernwärmedampf: Neben den Einnahmen aus dem Absatz der Heizwärme sorgt der Dampf im GuD-Kraftwerk Gera-Nord dafür, dass der Wirkungsgrad der Anlage steigt und insgesamt mehr Strom ins Netz eingespeist werden kann. Denn in Nord wird in zwei Stufen Energie erzeugt: In der ersten wird Gas verbrannt und die heißen Abgase treiben eine Turbine und die wiederum den ersten Strom-Generator an. Die dann immer noch heißen Abgase werden genutzt, um aus Wasser Dampf zu erzeugen und mit diesem wiederum eine Turbine und einen Stromgenerator anzutreiben. Erst in einem dritten Verwertungsschritt wird - statt den Wasserdampf entweichen zu lassen - der Dampf ins Fernwärmenetz gespeist. Wasser eignet sich besonders gut zum Betrieb von Fernwärmenetzen; setzt die EGG auf ein Dampfnetz stellen andere Unternehmen inszwischen auf Heißwassernetze, da deren Betrieb als einfacher gilt. Beim Fernwärmenetz handelt es sich übrigens um einen geschlossenen Kreislauf: Es wird kein Wasser verbraucht. Der "benutzte" Dampf fließt als Kondensat ins Kraftwerk zurück und wird dort erneut erhitzt.
Kraftwerksabwärme zur Beheizung von Wohnräumen oder Industrieanlagen, von Gewächshäusern oder Schwimmbädern zu nutzen, gewinnt angesichts steigender Rohstoffpreise immer mehr an Bedeutung. Deshalb gehört der Fernwärme unzweifelhaft die Zukunft. Allerdings spielte diese umweltfreundliche Infrastruktur in den vergangenen Jahren eher eine Nebenrolle. Der Marktanteil bei der Raumheizung von Wohnbauten lag 2002 gerade bei etwa 6 Prozent, der Anteil am deutschen Wärmemarkt liegt deutlich unter 5 Prozent. Doch will die Bundesregierung ihre Ziele zur Kohlendioxid-Einsparung erreichen, wird sie an einem Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung nicht vorbei kommen. Schon 2002 wurden durch die Fernwärmenutzung 7,5 Millionen Tonnen des Klimagases eingespart. Und Potenziale zum Ausbau dieser zukunftsfähigen Technologie gibt es zuhauf.