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Nach nur 15 Monaten Bauzeit begann im Juli 1996 ein neues Zeitalter: Denn durch die Umstellung des Kraftwerks von Braunkohlefeuerung auf Erdgas wurde Gera von einem „Stinker" befreit, die Luft von Staub, Schwermetallen, Stickoxiden und nicht zuletzt Kohlendioxid entlastet. Gleichzeitig setzte die EGG mit der Investition in das moderne Gas- und Dampfturbinen (GuD)-Heizkraftwerk Gera-Nord auf das umweltfreundliche und zukunftsfähige Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK).
Das Gas- und Dampfturbinen (GuD)-Heizkraftwerk Gera-Nord besteht aus zwei Blöcken. In jedem der beiden Blöcke befindet sich ein Generator zur Stromerzeugung, der von einer Gasturbine und einer Dampfturbine angetrieben wird. Außerdem gibt es in jedem Kraftwerksblock einen Heizkondensator, der Dampf und Heizwasser für die Fernwärmeversorgung liefert. Beide Blöcke arbeiten in Spitzenlastzeiten parallel. Der GuD-Prozess beginnt mit der Verbrennung von Erdgas. Dabei entstehen rund 800 Grad heiße Abgase, die auf die Schaufelräder der Gasturbine gelenkt werden. Diese Turbine treibt den ersten Generator an, der elektrische Energie ins EGG-Netz einspeist.
Zu diesem Zeitpunkt sind die Abgase noch 400 Grad heiß. Doch statt sie einfach entweichen zu lassen, werden sie in einer „Zweitverwertung" genutzt. In einem so genannten „Wärmetauscher" dienen sie dazu, Wasser so stark zu erhitzen, dass Dampf entsteht. Dieser treibt die Räder der Dampfturbine und damit den zweiten Generator zur Stromerzeugung an. Erneut entsteht elektrische Energie, die ins EGG-Netz eingespeist werden kann. Doch damit nicht genug: Aus einem Teil des Wasserdampfes erzeugt ein Heizkondensator Dampf und Heizwasser. Diese werden ins Fernwärmenetz der Stadt eingespeist und sorgen für warme Wohnungen und Verwaltungsgebäude. Die im Sommer anfallende Wärme wird seit 1998 auf ganz besondere Weise genutzt: In der Kältezentrale Brückenstraße treibt der heiße Dampf eine Dampfstrahlkältemaschine an, die Verwaltungsgebäude und Freizeiteinrichtungen umweltfreundlich klimatisiert.
Das GuD-Kraftwerk in Gera-Nord kann sehr flexibel auf unterschiedlichen Strom- und Wärmebedarf reagieren. 2006 lieferte das Kraftwerk rund 400 Gigawattstunden Fernwärme und 340 Gigawattstunden Strom ins öffentliche Netz. Bei gleichzeitiger Produktion von Wärme und Energie im Winter, liegt die Spitzenleistung der Anlage bei 78 MW Strom und 140 MW Wärme. Um im Winter den maximalen Wärmeleistungsbedarf Geras von 190 MW zu decken, kann die Spitzenlastanlage im Heizwerk Gera-Süd zugeschaltet werden. Bei eventuellem Ausfall der Gasversorgung können die Anlagen in Gera-Nord alternativ mit leichtem Heizöl als Ersatzbrennstoff betrieben werden.